Cyber Resilience Act · Mittelstand

CRA für KMU

Cyber Resilience Act für KMU: Pflichten und Prioritäten

Was mittelständische Hersteller seit September 2026 und bis Dezember 2027 konkret umsetzen müssen - pragmatisch, priorisiert, ohne Overhead.

Cyber Resilience Act für KMU: Pflichten und Prioritäten

Stand: 2026-10-09

Gilt der CRA auch für Ihr Unternehmen? Ja - die Meldepflicht gilt bereits.

Der Cyber Resilience Act (Verordnung (EU) 2024/2847) kennt keine Größenausnahme für Hersteller. Wenn Sie ein Produkt mit digitalen Elementen - Hardware oder Software - auf dem EU-Markt bereitstellen, gelten die Pflichten grundsätzlich für Sie. Unabhängig davon, ob Sie 10 oder 10.000 Mitarbeitende beschäftigen.

Für Kleinst- und Kleinunternehmen gibt es punktuelle Erleichterungen, etwa ein vereinfachtes Format für die technische Dokumentation (Art. 33 Abs. 5). Ob Art. 64 Abs. 10 sie von Geldbußen für eine versäumte 24-Stunden-Frühwarnung freistellt, ist nach dem Wortlaut eine Auslegungsfrage, weil die Vorschrift nur von den Absätzen 3 bis 9 abweicht; Erwägungsgrund 120 spricht dafür. Die Meldepflicht gilt unabhängig von der Unternehmensgröße.

Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Einstieg lässt sich der CRA strukturiert und ohne überdimensionierten Aufwand angehen - wenn Sie jetzt beginnen.

Zwei Fristen, die zählen

Datum Was gilt ab dann? Priorität für KMU
11. September 2026 Melde- und Berichtspflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle Sofort - gilt bereits, operativer Prozess muss stehen
11. Dezember 2027 Volle Produktanforderungen: Security-by-Design, SBOM, CE-Kennzeichnung, technische Dokumentation, EU-Konformitätserklärung Mittel bis hoch - Vorlaufzeit für Produktentwicklung einplanen

Die erste Frist, der 11. September 2026, ist bereits verstrichen und damit die dringlichere. Sie verlangt funktionierende Prozesse, keine fertige Produktdokumentation. Wer heute noch keinen definierten Ablauf hat, wenn eine Schwachstelle gemeldet wird oder ein Sicherheitsvorfall eintritt, kann die Meldepflicht schon heute nicht verlässlich erfüllen.

Was Sie seit September 2026 operativ bereitstellen müssen

Seit dem 11. September 2026 müssen Hersteller aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle über die einheitliche Meldeplattform (Single Reporting Platform) melden, gleichzeitig an das als Koordinator benannte CSIRT und an ENISA:

  • 24 Stunden: Frühwarnung unverzüglich, spätestens 24 Stunden nach Kenntnis
  • 72 Stunden: Meldung unverzüglich, spätestens 72 Stunden nach Kenntnis, mit den verfügbaren allgemeinen Informationen und den ergriffenen Korrektur- oder Risikominderungsmaßnahmen
  • Abschlussbericht: 14 Tage, nachdem eine Korrekturmaßnahme verfügbar ist (aktiv ausgenutzte Schwachstellen); 1 Monat nach der 72-Stunden-Meldung (schwere Sicherheitsvorfälle)

Prüfen Sie vorab: Gibt es einen definierten Ansprechpartner für Sicherheitsmeldungen, einen Eskalationsweg und eine Vorlage für den Abschlussbericht? Diese Prozesse aufzubauen braucht Zeit, lässt sich aber schlank halten.

Mehr zu den Meldefristen und -wegen: CRA Meldepflicht seit 11. September 2026.

Typische Fallstricke für mittelständische Hersteller

„Wir machen nur Software - das gilt sicher nicht für uns."

Software ist ein Produkt mit digitalen Elementen. Sie fällt unter den CRA, wenn ihr bestimmungsgemäßer Zweck oder ihre vernünftigerweise vorhersehbare Verwendung eine direkte oder indirekte Datenverbindung mit einem Gerät oder Netz einschließt (Art. 2 Abs. 1). Rein offline genutzte Software ohne jede Datenverbindung kann ausgenommen sein; die Grenze ist im Einzelfall zu prüfen.

„Wir sind zu klein für eine notifizierte Stelle."

Standard-Produkte können ihre Konformität per Selbstbewertung nachweisen. Allerdings hängt das von der Produktkategorie ab. Wichtige Produkte (Anhang III, Klasse I und II) unterliegen strengeren Anforderungen - bis hin zur verpflichtenden Beteiligung einer notifizierten Stelle. Welcher Weg für Ihr Produkt gilt, sollte frühzeitig geklärt werden. Mehr dazu: CRA-Produktklassen: Einordnung und Prüfwege.

„Die SBOM-Pflicht kommt erst 2027 - das hat Zeit."

Ja und nein. Die Pflicht gilt ab Dezember 2027. Eine SBOM in einem gängigen maschinenlesbaren Format, die zumindest die obersten Abhängigkeiten zeigt, aus dem Build heraus aufzubauen, dauert, wenn die Abhängigkeiten noch nie systematisch erfasst wurden. Mehr zu Formaten und Anforderungen: SBOM-Anforderungen im CRA.

„Wir verkaufen auch außerhalb der EU - der CRA gilt nur im Inland."

Der CRA knüpft an die Bereitstellung auf dem EU-Markt an. Wenn Sie in der EU verkaufen, kann er gelten, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind - unabhängig davon, wo Sie Ihren Hauptsitz haben oder wohin Sie zusätzlich exportieren.

Priorisierter Fahrplan: Was zuerst, wenn Budget und Zeit begrenzt sind

Kein KMU muss alles auf einmal tun. Die folgende Priorisierung orientiert sich an den Fristen und am Risiko.

Fahrplan für KMU zum Cyber Resilience Act in zwei Phasen; für Hersteller gibt es keine Größenausnahme, die Reihenfolge folgt den Fristen. Phase 1, sofort, Prozesse vor Dokumenten, weil die Meldepflicht seit 11.09.2026 gilt: 1 Betroffenheit und Rolle klären, 2 Produktklasse einordnen, 3 Meldeprozess aufbauen mit Ansprechpartner, Eskalationsweg, Meldevorlagen und Zugang zur Meldeplattform, 4 Schwachstellen in Drittkomponenten verfolgen. Phase 2, bis 11.12.2027, Produktanforderungen schließen, volle Anforderungen ab 11.12.2027: 1 Risikobewertung und Security by Design, 2 SBOM in einem gängigen maschinenlesbaren Format, 3 technische Dokumentation, 4 Konformitätsbewertung, je nach Klasse Selbstbewertung oder notifizierte Stelle, 5 Nutzerinformationen nach Anhang II. Meldefristen nach Art. 14: 24 Stunden Frühwarnung, 72 Stunden Meldung, Abschlussbericht nach 14 Tagen bzw. einem Monat. Erleichterungen für Kleinst- und Kleinunternehmen: vereinfachtes Format der technischen Dokumentation (Art. 33 Abs. 5), das Formular legt die Kommission per Durchführungsrechtsakt fest; Ausnahme von Geldbußen bei versäumter 24-Stunden-Frühwarnung (Art. 64 Abs. 10), deren Reichweite auslegungsbedürftig ist. Die Meldepflicht selbst gilt unabhängig von der Größe. Quelle: Art. 14, Art. 33 Abs. 5, Art. 71 Abs. 2 VO (EU) 2024/2847; Abschlussbericht spätestens 14 Tage nach verfügbarer Korrektur- oder Risikominderungsmaßnahme bei Schwachstellen, ein Monat nach der Meldung bei Vorfällen.
Fahrplan für KMU: erst der Meldeprozess, dann bis Dezember 2027 die Produktanforderungen.

Phase 1 - Sofort: Prozesse vor Dokumenten (Meldepflicht gilt seit September 2026)

  • Betroffenheit klären: Gilt der CRA für Ihr Produkt? Welche Rolle nehmen Sie ein (Hersteller, Einführer, Händler)? → Interaktiver Betroffenheits-Check
  • Produktklasse einordnen: Standard, wichtig Klasse I, wichtig Klasse II oder kritisch? Das bestimmt den Konformitätspfad.
  • Meldeprozess aufbauen: Ansprechpartner benennen, Eskalationsweg definieren, Meldevorlagen erstellen, Zugang zur CRA Single Reporting Platform vorbereiten.
  • Schwachstellen-Tracking einführen: Wer meldet intern was an wen? Wie werden bekannte Schwachstellen in genutzten Drittkomponenten überwacht?

Phase 2 - Bis Dezember 2027: Produktanforderungen systematisch schließen

  • Risikobewertung und Security-by-Design: Cybersicherheits-Risikobewertung über Planung, Konzeption, Entwicklung, Herstellung, Lieferung und Wartung - kann an bestehende Prozesse angedockt werden.
  • SBOM aufbauen: Software-Stückliste in einem gängigen maschinenlesbaren Format erstellen, zumindest mit den obersten Abhängigkeiten (die BSI TR-03183-2 verlangt CycloneDX ≥ 1.6 oder SPDX ≥ 3.0.1), Aufbewahrungspflicht beachten (mindestens zehn Jahre oder Unterstützungszeitraum, je nachdem, was länger ist). Gap-Report anfragen: Ihre SBOM auf CRA-Tauglichkeit prüfen
  • Technische Dokumentation aufbauen: Grundlage für CE-Kennzeichnung und EU-Konformitätserklärung.
  • Konformitätsbewertung durchführen: Je nach Klasse Selbstbewertung oder Einbindung einer notifizierten Stelle.
  • Nutzerinformationen (Anhang II): Sicherheitsrelevante Produktinformationen für Endnutzer bereitstellen.

Was Blackfort Technology für KMU-Hersteller übernimmt

Blackfort Technology unterstützt mittelständische Hersteller von der ersten Einordnung bis zur vorbereiteten Konformitätsbewertung, mit einem Umfang, der zur Größe Ihres Unternehmens passt.

  • Betroffenheits- und Klassenanalyse: technische Einschätzung, ob und in welchem Umfang Ihre Produkte unter den CRA fallen, Rechtsfragen markiert für Ihre Rechtsabteilung
  • Meldeprozess-Setup: Aufbau eines schlanken PSIRT-Prozesses (Product Security Incident Response), der die seit September 2026 geltende Meldepflicht abdeckt
  • SBOM Gap-Report: Analyse Ihrer Software-Stückliste gegen CRA-Anforderungen, Tooling-Empfehlung
  • Technische Dokumentation: Erstellung oder Review der für CE-Kennzeichnung erforderlichen Unterlagen
  • Begleitung der Konformitätsbewertung: Vorbereitung auf Selbstbewertung oder Abstimmung mit notifizierter Stelle

Blackfort Technology ist über ihren Geschäftsführer im Expertenkreis KI-Sicherheit der Allianz für Cyber-Sicherheit vertreten; er ist Mitautor des dort erschienenen Leitfadens für Penetrationstests von Large Language Models. Blackfort Technology bringt ihre Umsetzungserfahrung aus PKI-, DORA-, NIS2-, ISMS- und Schwachstellenmanagement-Projekten direkt in die CRA-Arbeit ein.

Weiterführende Inhalte für KMU-Hersteller

Ausführlicher Schritt-für-Schritt-Plan: Cyber Resilience Act Mittelstand: Priorisierter Umsetzungsplan.

Gesamtüberblick über alle CRA-Pflichten: Cyber Resilience Act: Anforderungen, Fristen und Pflichten im Überblick.

Häufige Fragen

Gilt der Cyber Resilience Act auch für sehr kleine Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden?+
Ja. Der CRA kennt keine Größenausnahme für Hersteller. Für Kleinst- und Kleinunternehmen gibt es punktuelle Erleichterungen, etwa ein vereinfachtes Format für die technische Dokumentation (Art. 33 Abs. 5). Ob Art. 64 Abs. 10 sie von Geldbußen für eine versäumte 24-Stunden-Frühwarnung freistellt, ist nach dem Wortlaut eine Auslegungsfrage, weil die Vorschrift nur von den Absätzen 3 bis 9 abweicht; Erwägungsgrund 120 spricht dafür. Die Meldepflicht selbst gilt unabhängig von der Unternehmensgröße. Wer Produkte mit digitalen Elementen auf dem EU-Markt bereitstellt, muss die Anforderungen grundsätzlich erfüllen.
Wir entwickeln eine SaaS-Lösung - fällt Software ohne Hardware unter den CRA?+
Reine SaaS-Angebote fallen grundsätzlich nicht unter den CRA; für Cloud-Dienste wie SaaS gilt die NIS2-Richtlinie (Erwägungsgrund 12). Erfasst ist Software, die als Produkt bereitgestellt wird, einschließlich ihrer Datenfernverarbeitung: ein Backend, das Sie selbst oder unter Ihrer Verantwortung entwickeln und ohne das eine App oder ein Gerät eine seiner Funktionen nicht erfüllen könnte, gehört zum Produkt (Art. 3 Nr. 1 und 2). Die Abgrenzung ist im Einzelfall zu prüfen.
Was passiert, wenn wir die seit September 2026 geltende Meldepflicht nicht erfüllen?+
Verstöße gegen CRA-Anforderungen können mit erheblichen Bußgeldern geahndet werden. Für Verstöße gegen die grundlegenden Cybersicherheitsanforderungen (Anhang I) sowie gegen bestimmte Hersteller- und Meldepflichten (u. a. Art. 13 und 14) sieht der CRA Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder 2,5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor (je nachdem, welcher Betrag höher ist). Bei der Bemessung wird die Unternehmensgröße berücksichtigt (Art. 64 Abs. 5). Ob Art. 64 Abs. 10 Kleinst- und Kleinunternehmen bei der 24-Stunden-Frühwarnung von Geldbußen freistellt, ist eine Auslegungsfrage; Erwägungsgrund 120 spricht dafür. Die Sanktionsvorschriften im Einzelnen legen die Mitgliedstaaten fest (Art. 64 Abs. 1); für Deutschland ist dafür ein eigenes Durchführungsgesetz vorgesehen.
Müssen wir für die Meldepflicht zwingend eine eigene Sicherheitsabteilung aufbauen?+
Nein. Der CRA verlangt eine Kontaktadresse für Schwachstellenmeldungen und eine zentrale Anlaufstelle (Anhang I Teil II Nr. 6, Art. 13 Abs. 17) und dass Sie fristgerecht melden. In der Praxis heißt das: ein benannter Ansprechpartner, ein definierter Eskalationsweg und Zugang zur einheitlichen Meldeplattform. Wie das intern organisiert ist - ob als Teilaufgabe des IT-Leiters, als externer Dienstleister oder als dediziertes PSIRT - bleibt Ihnen überlassen.
Wie aufwendig ist eine Software Bill of Materials (SBOM) für ein typisches KMU-Produkt?+
Das hängt stark von der Komplexität Ihrer Abhängigkeiten ab. SBOM-Generatoren im Build (etwa die CycloneDX-Plugins der Paketmanager) automatisieren einen Großteil der Erfassung; Werkzeuge wie Dependency-Track werten die SBOM anschließend gegen Schwachstellendaten aus. Der Aufwand liegt dabei weniger im technischen Aufbau als in der initialen Inventarisierung unbekannter oder schlecht dokumentierter Drittkomponenten. Unser SBOM Gap-Report zeigt Ihnen konkret, wo Lücken bestehen.
Wir verkaufen unser Produkt hauptsächlich in den USA - müssen wir trotzdem CRA-konform werden?+
Wenn Sie Ihr Produkt auch auf dem EU-Markt anbieten oder Kunden in der EU haben, kann es unter den CRA fallen, wenn es die übrigen Voraussetzungen erfüllt. Der CRA knüpft an die Bereitstellung auf dem EU-Binnenmarkt an, nicht an den Unternehmenssitz. Wer ausschließlich außerhalb der EU verkauft und keinen EU-Vertriebskanal hat, ist grundsätzlich nicht betroffen.

Quellen

Diese Inhalte dienen der allgemeinen technischen und organisatorischen Information zum Cyber Resilience Act (Verordnung (EU) 2024/2847) und stellen keine Rechtsberatung dar (keine Rechtsdienstleistung i.S.d. RDG).

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